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Es gibt hübsche Tücher für den Kopf. Mit Sicherheit. Ein Karomuster in staubigen 70er-Jahre Farben ist es allerdings nicht. Die Dame ist alt. Sehr alt. Das Drehkreuz im hiesigen Supermarkt wird zum ernsthaften Hindernis. Nein, die gitterne Einkaufskarre passt nicht hindurch. Auch nicht mit Gewalt. Tatterig neigt sie ihre Karo-Haube zur Seite und entdeckt den Durchgang für den Wagen. Gemächlich schleicht sie dann durch die Gänge, umringt von quietschbunten Regalen. Riskiert einen Blick hier, einen Blick dort. Angefasst wird aber nichts. Außer ein Toastbrot. Das landet dann auch gleich in der Karre.
Ein drittel Fahrt voraus. Die knochigen, mit Adern übersähten Hände krallen in die Stange. Wie ein Geier, der auf einem toten Baum nach verrotteten Körpern Ausschau hält. Fliegen kann sie nicht mehr und giert nach Lebensmitteln. SIe greift zaghaft dort hin, wo andere zuvor ein Bund Karotten, eine Packung Spaghetti rausgefischt haben. Was andere brauchen, könnte sich auch für sie als nützlich erweisen. Gerade wenn die Sehkraft nicht ausreicht, um wirklich zu erkennen, was man da eigentlich genau macht. Ein Gesicht ist unter dem Tuch nicht zu erkennen. Es tut auch nicht zur Sache, denn es gibt keins. Im Labyrinth der genormten Verpackungen verliert sich irgendwann ihre Spur. Wie lange sie noch umher irrt, ist schwer zu sagen.
Es gibt hübsche Tücher für dem Kopf. Keine Frage. Dieses Karos aber sind beinahe bis zur Unkenntlichkeit verblasst.
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Seit der Mensch denken kann, hat er geschaffen. Mit nassgeschwitzten Händen wurden riesige Bollwerke der Zivilisation errichtet. Infrastruktur wurde geschaffen und in Kriegen mit herausquellenden Innereien und spritzendem Blut wieder vernichtet. Das Handeln der Körper, die Ideen des Geistes, befassen sich stets mit sich selbst. Und anderen Menschen.
Im journalistischen Bereich wird vor allem eine Faustregel Tag für Tag in tausenden Redaktionen heruntergebetet. Ein Unterschied zwischen Print-, Foto-, Rundfunk- oder Online-Medien besteht nicht. Immer geht es um: Menschen, Menschen, Menschen.
Wer sind diese Leute?
Aber wer ist dieser zerfurchte, nachdenkliche Mann, dem wir jeden Morgen im Bus begegnen? Wer ist diese junge Frau, die uns behände im Kaufhaus in Sachen Mode berät? Wer sind die Anderen? Was treibt sie an? Wo wollen sie hin? Diesen Fragen geht dieses Blog nach. Dabei steht der Unterhaltungswert im Vordergrund. Denn eines sind wir alle: auf unsere ureigene Weise von Interesse und Bedeutung.
Sind die hier bis ins Detail zerpflückten Menschen eigentlich echt? Echt sind sie im Grunde alle. Die Frage lautet eher, ob sie euch bereits begegnet sind.
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